Die Studie „Future Automotive Industry Structure (FAST) 2015“ von Mercer Management Consulting und den Fraunhofer-Instituten für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) sowie für Materialfluss und Logistik (IML) basiert auf 60 Interviews mit Entscheidern der ersten und zweiten Ebene bei Automobilherstellern, Zulieferern und Dienstleistern sowie einer Analyse aller verfügbaren Datenquellen und der Modellpolitik der Marken.
Danach wird sich die Anzahl von derzeit 5.500 Zulieferer bis 2015 auf etwa 2.800 verringern, und von den zwölf unabhängigen Automobilkonzernen werden dann vermutlich noch neun bis zehn eigenständig sein. Insgesamt werden sich aber die Konzentrationsprozess der Branche verlangsamen. Wachstumsregionen sind vor allem China, Indien und Europa. Das Wachstum der chinesischen Produktion wird jedoch oft überschätzt; Japan wird als Produktionsstandort stagnieren. Die neuen Werke und Entwicklungszentren der japanischen Hersteller entstehen in Europa und den USA.
Weitere Aussagen der Studie:
- Die Autohersteller werden zu High-Tech-Markenartiklern. Markenmanagement (Design, Markenerlebnis, Servicestrategien, Funktionen und Technologien), Image, Vertrieb, Services und Kundenkontakt sowie -betreuung werden zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren im Wettbewerb, da hohe internationale Produktionsstandards und eine immer schneller veraltende Technik immer geringer werdendes Differenzierungspotenzial bei den Produkten bieten.
- Die Premium-Marken werden zu den Leitbildern ihrer Konzerne. Hier sind die Kernkompetenzen angesiedelt, hier wird der Management-Nachwuchs ausgebildet. Technik und Know-how fließen von den Premium-Marken zu den Massenmarken. Jede Marke benötigt künftig eine klare Wertschöpfungsstrategie, in der das Eigenleistungsprofil und die dazu notwendigen Kompetenzen, Kapazitäten und Partnerschaften festgelegt sind.
- Die Zulieferer übernehmen schrittweise alle nicht markenprägende Aufgaben im Fahrzeugbau. Bereits heute entwickeln und bauen die Hersteller ihre Autos nur noch zu 35 Prozent selbst – pro „Durchschnittsauto“ beträgt die Eigenleistung derzeit noch 4.000 Euro. Bis zum Jahr 2015 wird sie auf 2.670 Euro oder 23 Prozent sinken. Besonders stark ist diese Entwicklung im Bereich Karosserie, Blech, Lackierung und Fahrwerk; auch Fertigung und Montage von Modulen. Die Eigenwertschöpfung der Hersteller wird zukünftig konsequent aus der Marken- und Produktdifferenzierung ableitet. Dabei werden Massenmarken ihre Wertschöpfung stärker reduzieren als Premium-Marken, die mehr exklusive Eigenschaften benötigen.
- Die meisten Automobilhersteller haben bereits Modulstrategien eingeleitet. Sie schafft klare Schnittstellen zu den Zulieferern und ermöglicht fließende Übergänge der Modell- und Innovationszyklen. Nur noch 65 Prozent der automobilen Wertschöpfung werden das etablierte Hierarchiemuster der Zusammenarbeit zwischen Automobilhersteller und –zulieferindustrie haben. Die Studie identifiziert mehr als 20 neue Zusammenarbeitsformen (Systemkooperationen, Produktionskooperationen, Engineering-Dienstleister, Spin-Offs oder Auftragsfertigung etc. ) Die neue Qualität der Zusammenarbeit kann die EBIT-Margen um etwa 3 Prozent und die Kapitalrendite um etwa 4 bis 10 Prozent verbessern.
- Enge Netzwerke aus Herstellern und Zulieferern entstehen. Entscheidend wird es sein, frühzeitig die richtigen Partner an sich zu binden. Die gemeinsamen Ziele müssen klar sein, ebenso wie die Rollenverteilung, um eine neue Qualität in der Zusammenarbeit zu schaffen. Automobilhersteller müssen früh Erfolg versprechende Geschäftsmodelle im Netzwerk identifizieren und ausbauen, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Zudem müssen strategische Kompetenzfelder gezielt gestärkt und Randbereiche in zukunftsweisende Kooperationen eingebracht werden.
- Die Zulieferer werden künftig die Hauptlast der Investitionen tragen. Aber bereits heute ist ihre Eigenkapitalausstattung ungenügend. Lösungen bieten Börsengänge, Einstieg von Investorengruppen oder Anschubhilfen seitens der Autohersteller. Zulieferer müssen rechtzeitig beginnen, Finanzierungsstrategien zu erarbeiten.
- Komponentenwerke der Hersteller werden zu direkten Konkurrenten der Zulieferer. Sie arbeiten für konzerneigene Marken wie für konzernfremde. Langfristig werden sie als Komponentenwerke der Automobilhersteller nur überleben, wenn sie Träger strategisch wichtiger Konzernkompetenzen sind.
Weitere Informationen zur Studie erhalten Sie bei Mercer Management Consulting, Marstallstraße 11, 80539 München, Tel. (089) 939 49 599, Fax (089) 939 49 507.